Der WDR meldete es den ganzen Morgen: Punkte aus der Flensburger Verkehrssünder-Kartei sollten erlassen und verlost werden. Und im Internet wurde aus Anlass des 60-jährigen Bestehens des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg verbreitet, dass 60.000 Punkte von Verkehrssündern gestrichen würden.
Die zahllosen Hörer des WDR und der 80 anderen, beteiligten Radiosender, die sich entweder freuten oder über die Verkehrsünder und "Raser" echauffierten, merkten ebenso wie die Internet-Nutzer erst spät, dass es sich in beiden Fällen um einen Aprilscherz handelte.
Lassen wir die Scherze mal beiseite: Wer weiß eigentlich, wie
viele Punkte er in der Verkehrssünder-Kartei angesammelt hat?
Und wie schnell man wofür eigentlich Punkte bekommt? Und was
bei einem bestimmten Punktekonto passiert?
Bei 1 bis 3 Punkten passiert nichts und es
gibt auch keine Sanktionen. Bei 4 bis 8
Punkten kann man durch ein freiwilliges Aufbauseminar
4 Punkte Abzug schaffen. Bei 8 bis 13
Punkten erhält man vom Straßenverkehrsamt
eine Verwarnung und einen Hinweis auf ein freiwilliges
Aufbauseminar. Bei 9 bis 13
Punkten können durch ein solches Seminar 2
Punkte gestrichen werden. Bei 14 bis 17
Punkten wird die Absolvierung eines Aufbauseminars
vom Straßenverkehrsamt angeordnet. Und wenn man 18
Punkte und mehr angesammelt hat, wird der
Führerschein eingezogen.
Übrigens: Punkte kann man nur einmal in fünf Jahren abbauen. Punkte verbleiben, wenn keine weiteren hinzukommen, zwei Jahre in der Kartei gespeichert.
Seinen Punktestand in Flensburg kann man übrigens durch ein
formloses Schreiben (und einer beigefügten Kopie des
Personalausweises) an das Kraftfahrt-Bundesamt in 24932 Flensburg
erfahren. Ein Formblatt dazu findet man unter www.kba.de und
"Punktestand".
Die Hitliste der punkteintensivsten Vergehen führen eindeutig
das zu schnelle Fahren und die Geschwindigkeitsübertretung an.
Danach folgt die Vorfahrtverletzung mit der Missachtung von
Stoppschildern und roten Ampeln. Alkohol am Steuer ist die
Nummer drei unter den Verkehrsdelikten, die in Flensburg
registriert sind.
Punkte für Flensburg kriegt man im Übrigen schneller als
Sängerin Lena bei ihrem zweiten Anlauf für den
Eurovision-Song-Contest. Mal eben die Vorfahrt nicht beachtet und
einen gefährdet oder ein Stoppschild nicht beachtet: 3
Punkte.
Die rote Ampel nicht beachtet: 3 Punkte, mit Gefährdung eines anderen Verkehrsteilnehmers sogar 4 Punkte.
26 bis 30 km/h innerorts oder auch außerorts schneller als erlaubt wird auch mit 3 Punkten geahndet.
Selbst die Handy-Nutzung bringt einen Punkt ein, Parken im absoluten Halteverbot wiederum 3 Punkte.
3 oder 4 Punkte und zudem ein Fahrverbot kann man sich ganz schnell mit zu geringem Abstand einhandeln. Beides kriegt man schon bei einem Abstand von unter 15 Metern und Tempo 100 km/h.
Mit 4 Punkten wird Fahren mit einem Alkoholgehalt im Blut von 0,5 bis 1,09 Promille bestraft. Aber auch zu langes Linksfahren auf der Autobahn kann mit einem Punkt belegt werden.
Fazit: Punktesammeln kann teuer und
unangenehm werden und ist derzeit wohl mehr was für den 1. FC
Köln.




