"Sie haben Ihr Ziel erreicht." Viele Autofahrer kennen
die Durchsage, die - meist von einer weiblichen Stimme - aus dem
Cockpit meldet, dass man an seinem eingegebenen Fahrziel angekommen
ist.
Heute sind Navis - wie sie der Volksmund salopp nennt - gang und
gebe.
Doch 1995 war das für meine Mitreisenden eine Sensation. In
einem BMW 7er waren wir unterwegs zu einem Tennismatch im
Bergischen Land. Lichtenberg hieß das Örtchen. Das Ziel
mit der Straße hatte ich schon vorher eingegeben. Schon bei
der ersten Abbiegung schauten meine Mitfahrer konsterniert, was da
als Fahrhinweis aus dem Armaturenbrett schallte.
"In 300 Metern links abbiegen auf die Autobahn." Die ersten Minuten herrschte Ruhe. Doch dann kamen die Fragen: Woher weiß die wo wir sind? Wo kommt das her? Verfolgen die uns? Können die uns kontrollieren? Als dann die Stimme sagte: "Ihr Ziel liegt rechts," und die Tennisplätze in Sichtweite waren, gab es erstaunte Gesichter.
Wie das alles geht? Damals wie heute nutzt das Navigationssystem
das GPS, das satellitengestützte Positionssystem im Weltall.
Zwischen dem Fahrzeug mit Navi und dem GPS findet ein permanenter
Datenaustausch statt. Deshalb weiß das System auch auf wenige
Meter genau, wo man sich gerade befindet. Ohne zu wissen, wer da
das System nutzt.
Nachteil: Das Navi-System ist nur so gut, wie die Karte, die der Fahrer per CD oder DVD in sein System eingespeist hat. Das heißt: Ist die Kartendarstellung nicht auf dem neuesten Stand - etwa durch aktuelle Baustellen mit Umleitungen, neue Umgehungsstraßen oder geänderte Verkehrsführung bei Einbahnstraßen - dann führt einen das Navi tatsächlich in die Irre. Wie bei einem älteren Autoatlas mit überholten Wegbeschreibungen sollte sich der Fahrer trotz Navi immer auf seinen gesunden Menschenverstand verlassen.
Von 1995, dem Start der Navigation im Auto, bis heute ist bei der
Technik der Routensucher eine Menge passiert. Navi-Systeme ab Werk
arbeiten dank DVD-Technik wesentlich schneller als früher. Die
Darstellungsoptionen reichen bis hin zur perspektivischen
Darstellung, die der Erdkrümmung nahe kommt. Und die
Bildschirme werden immer größer und präziser.
Doch nun folgen die nächsten Schritte. Bei Audi etwa kann das
Navi per Internetzugang mit Echtzeitdaten kombiniert werden, die
aus einer externen Datensammlung die gerade aktuelle
Verkehrssituation auch auf Landstraßen und Innenstädten
mit farbig unterlegten Strecken darstellt. Als Ergänzung
lässt sich das sogar mit der Google Earth-Darstellung aus dem
Weltraum kombinieren.
Man fährt mit dem Navi - wie wir bei Testfahrten
feststellen konnten - visuell durch echte Landschaften und
Häuserschluchten. Damit nicht genug: Auch das Google-System
Street View, mit dem man Häuser und die Umgebung aus der
Fahrerperspektive anschauen kann, ist damit kombinierbar. Auch bei
BMW gibt es inzwischen ähnliche Systeme, unter anderem mit
dreidimensionaler Darstellung. Und die Spracheingabe für die
Navigation gibt es auch schon.
Ob das alles sinnvoll ist, darf hinterfragt werden. Zumal die Bildschirmdarstellung ja durchaus von der Fahrbahn ablenken kann. Allerdings haben die meisten Navi-Systeme ja eine Sprachausgabe, die dem Fahrer den Weg und die Richtung an Kreuzungen ansagt.
Meine Meinung: Nicht nur für Vielfahrer
ist das Navi mit seinen Verkehrshinweisen und Staumeldungen eine
tolle Technik. Ich habe seit 1995 damit schon viele Stunden im Stau
vermeiden können.
Man darf allerdings gespannt sein, was da noch auf den Autofahrer
zukommt. Wenn die Navi-Stimme im Cockpit zukünftig
"mitdenkt" und etwa einen kleinen Blechschaden oder eine
kurzen Berührung eines Hindernisses mit "Suchen Sie bitte
die Werkstatt auf" kommentiert, dann fürchte ich um die
Ruhe des Autofahrers und die Funktion des Systems.




