Der Tod war weit weg!

Junge Frauen arbeiten ehrenamtlich in Sterbebegleitung und Trauerarbeit

Waldbröl/Nümbrecht.(js) "Der Tod war für mich immer sehr weit weg". Eine andere Sichtweise auf die Endlichkeit des menschlichen Daseins bekam Vera Baltes während ihrer 10-jährigen Tätigkeit im Seniorenheim. 
Plötzlich waren Fragen da, über die die junge Frau noch nie nachgedacht hatte, die sie gleichsam spannend fand. "Wo geht es hin? Was passiert mit mir?" Auch eine undefinierbare Angst vor dem Tod und dem Sterben stellte sich ein. Professionell wollte Vera Baltes das Problem angehen und belegte einen Kursus für die Ausbildung zur Sterbebegleiterin. Heute arbeitet die fest im christlichen Glauben verankerte junge Frau ehrenamtlich in der ambulanten Sterbebegleitung der Malteser Hospizgruppe Wiehl.
Unsere Hilfeleistung kann sehr unterschiedlich sein, erklärt Baltes. Nicht nur die Sterbenden, auch die Angehörigen benötigen oft unsere Unterstützung. Wird diese angefordert, kommt es zu einem Erstbesuch durch einen Koordinator, der feststellt, welche Hilfe genau geleistet werden soll. Gemeinsam wird überlegt, welcher Mitarbeiter "passen" könnte.
Ist die psychische Belastung für einen Mitarbeiter einmal zu groß, ist es wichtig, dass man in der Gruppe darüber sprechen kann, erläutert Vera Baltes. Bei der Sterbebegleitung befindet man sich in einer immer enger werdenden Spirale, an deren Ende schließlich der Tod steht. Bei der anschließenden Trauerbegleitung ist man auf dem Grund einer sich nach oben immer weiter öffnenden Spirale, so erklärt Karin Schmidt, die mit Vera Baltes befreundet ist, den Unterschied zwischen Sterbe- und Trauerbegleitung. Schmidt arbeitet ehrenamtlich in der Trauerbegleitung - speziell für Kinder - bei den Maltesern in Wiehl. "Kinder trauern anders als Erwachsene" erläutert sie.
"Bei Erwachsenen ist Trauer ein linearer Prozess, sie sinken in ein Meer von Trauer und gehen dann unter. Kinder dagegen hüpfen in eine "Pfütze" und springen gleich darauf wieder hinaus". Mit diesem bildhaften Vergleich wird der Unterschied deutlich.
"Trauerfreie Zonen als Selbstschutz sind für Kinder enorm wichtig", so Schmidt. Fragen die Kinder, dann sollte man allerdings wahrheitsgemäß antworten. Was bedeutet es tot zu sein? Warum ist der Verstorbene jetzt in einer Urne? Diese Fragen stellen Kinder immer wieder. In den Kindergruppen werden diese Problembereiche altersgerecht aufgearbeitet. Eine Altersbegrenzung für die Kindergruppen ist nicht festgelegt. Schmidt bedauert, dass den Menschen heute oft der Raum für die Trauer genommen wird. Wie Vera Baltes, so nimmt auch Karin Schmidt viel Kraft aus ihrem christlichen Glauben. Auch die Musik oder der Aufe
nthalt in der Natur helfen dabei von den Belastungen, die das Ehrenamt mit sich bringt, loslassen zu können. Einig sind sich die beiden Frauen in der Meinung, dass jeder in der Trauer seinen eigenen Weg finden muss, unabhängig von seinem Glauben oder seiner Weltanschauung. "Hospiz macht Schule" mit dieser Idee wollen Malteser und Johanniter das "Thema Trauer, Tod und Trösten" auch in den Schulen offenlegen. "Es gibt zwar Sexualerziehung aber über das Sterben wird meistens geschwiegen", ergänzt Schmidt. Flyer zum Thema liegen in vielen Apotheken und Arztpraxen aus. Im Internet geben die Seiten der Malteser und Johanniter Auskunft. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Bücher zum Thema. Als Beispiele seien genannt: "Leb wohl lieber Dachs"(Susan Varley) oder "Kinder trauern anders" (Gertrud Ennulat) sowie "Wege durch die Trauer" (Herbert Scheuring).Die ambulante Hospizgruppe der Malteser (Wiehl und Nümbrecht) ist erreichbar unter 02262/92010. Der Hospiz-Beratungsdienst der Johanniter für den Oberbergischen Kreis hat die Rufnummer 0172/2631758.

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