Mutig, mutig, Herr Bürgermeister!

Waldbröl. (js) Vieles war neu in diesem Jahr auf dem Neujahrsempfang von Bürgermeister Peter Koester. Schon die Zahl der geladenen Gäste hatte eine neue Dimension. 500 begehrten Einlass in die Nutscheidhalle und jeder Einzelne wurde von Peter Koester persönlich mit Handschlag begrüßt. 

Dass es diesmal ein kräftiges Wechselbad zwischen fröhlichen Klängen und ernsten Worten geben würde, war ebenfalls neu. Zunächst verbreiteten jedoch die Geininger in ihrer Original-Tracht mit professionell fetzigem, volkstümlichem Oberkrainer Sound fast ein wenig Bierzeltstimmung. Ein hohes Niveau zeichnete auch den anschließenden Gesangsbeitrag von Angelika Köster aus, die von ihrem Vater Walter Köster am Piano begleitet wurde. Eckhard Becker von der "Wir für Waldbröl GmbH", der die Moderation des Abends übernommen hatte, überließ schließlich Bürgermeister Peter Koester das Rednerpult. Koester machte gleich zu Anfang keinen Hehl daraus, dass es eine längere Rede werden würde.

Wer sich bis zu diesem Zeitpunkt von der stimmungsvollen Atmosphäre hatte einlullen lassen, wurde nun kräftig wachgerüttelt. Die folgende 50-minütige Rede des Rathauschefs war ein durchgängig anklingender Appell an alle, die für die Stadt Verantwortung tragen oder tragen wollen - und die waren nun schließlich hier versammelt. "Ich fordere Sie auf, aktiv an der Gestaltung der Stadt teilzunehmen!" Dass die Klagen über die Baustellensituation und das immer noch stehende Merkurhaus im Rathaus angekommen sind, wurde aus Koesters Reaktion deutlich. "Es ist nicht nur die Baustelle!" Man merkte ihm den Unmut über einige Geschäftsleute an, die aus mangelnder Eigeninitiative ihre Situation beklagen und den "Schwarzen Peter" im Rathaus unterbringen wollen.

Was den Merkurkomplex betrifft, so braucht es aus Koesters Sicht keine millionenschweren Investoren für die Neuausrichtung des Geländes. An dieser Stelle möchte er neu und integrativ gestalten und die schweren Wunden, die "Verletzung" der Stadt heilen. Planung und Umsetzung sollten allerdings mit Bedacht angegangen werden und brauchen noch Zeit, um auch in der Zukunft bestehen zu können. Dass die Stadt sich in schweren Zeiten bewegt, übersieht er nicht. Dass die Innenstadtentwicklung längst überfällig ist, stellt er auch klar. Wie kommt man unter diesen Voraussetzungen aus der Klemme? An dieser Stelle kommen auffordernde, mahnende, ja bittende Worte. "Wir alle sind die Stadt", so Koester und er zeigt kein Verständnis für eine Mentalität, die das Ablegen aller Probleme bei der Verwaltung als Heilmittel sieht. "Alle warten auf jemanden der es schon richtet", merkt er ein wenig mit Vorwurf und durchklingender Verärgerung an. Kritik allein bietet, so der Bürgermeister, noch keine Vision.

Seine Vision zeigt er dagegen deutlich auf und bietet seinen Zuhörern eine Menge Informationen und Ideen zu den Stichworten: Stadtkernentwicklung, innerstädtischer Verkehrsfluss - ohne Stichstraßen, allgemeine verkehrliche Verbesserungen, Schaffung einladender Aufenthaltsqualität einschließlich eines bedarfsgerechten Einzelhandels. Auch den Vermietern von Gewerbeimmobilien redet Koester ins Gewissen, nicht nur an die eigene Profitmaximierung zu denken. Ebenso nimmt er die Gastronomie ins Visier, die sich auch zukunftsorientiert aufstellen solle. Gemeint ist der erwartete Zustrom von Besuchern aus dem im Bau befindlichen Naturerlebnispark. Bilder aus dem alten, gemütlichen Waldbröl stehen Pate für die Zukunft. Waldbröl soll wieder eine liebenswerte Stadt werden, in der man sich geborgen fühlt.

"Für ein Gegeneinander haben wir keine Zeit mehr", mahnt Koester. Somit heißt es einzig und allein, die Stadt im Miteinander wieder gut aufzustellen. Zur Kooperation und Koordination hat Koester eine Hotline (02291/85-112) zum Rathaus einrichten lassen. Man achte auf die Endziffern "112". "Kein Zufall", merkt Koester an und ergänzt: "Feuerwehr!" Für seine engagierte, mutige Rede bekommt Koester großen Beifall, obwohl er wenig "Streicheleinheiten" verteilt hat. Vielleicht sind die Zeichen der Zeit verstanden worden. Selten war der Schlachtruf der Waldbröler Karnevalisten so treffend platziert wie bei ihrem Auftritt am Ende der Veranstaltung. Waldbröl - pass opp! Schlachtruf oder Weckruf? - Das blieb an diesem Abend offen. Fotos vom Neujahrsempfang im Internet unter www.lokalanzeiger.de. Die Neujahrsrede ist ab sofort unter www.waldbroel.de zu finden.

Anzeige

Waldbröler Vieh- und Krammarkt

Alle 14 Tage donnerstags von 7-13 Uhr lockt der Markt bis zu 20.000 Besucher nach Waldbröl. Ein Besuch lohnt sich immer ... »

Alle Titel im Großraum Köln/Bonn

Lernen Sie die weiteren Anzeigenblätter im Großraum Köln/Bonn kennen. »