Man musste in den letzten Tagen nicht erst in kalte Alpen- oder Gebirgsregionen reisen, um defekte Diesel am Straßenrand oder im Schlepptau der "gelben Engel" zu entdecken. Auch in unserer Region war es so kalt, dass Pannendienste am 2. Februar einen "Spitzentag" von Hilfesuchenden Autobesitzern mit Dieselmotoren erlebten.
Dabei war es im Gegensatz zu den Bergregionen mit 25 Grad minus bei uns mit 12 bis 15 Grad minus noch nicht einmal so kalt. Und trotzdem versagten viele Dieselfahrzeuge ihren Dienst. Vor allem die Besitzer von VW- und Audi-Modellen, aber auch Fahrer anderen Modelle wie der Porsche Cayenne Diesel können nach den extremen Winternächten ein Lied davon singen.
Die Gründe:
1. Wartungszustand Die bei Kälte schwächere Batterie hat mit dem steifen Motoröl und dem schlechter fließenden Diesel deutlich mehr zu leisten. Oft kommen verschlissene Glühkerzen und ungepflegte Dieselfilter hinzu. Denn im Laufe des Sommers kann sich im Filter Wasser sammeln, was dann im Winter zusammen mit Dieselpartikeln gefriert und den Filter verstopft.
Wichtig deshalb: Regelmäßig den Filtereinsatz wechseln.
2. Eingefrorene Filter. Bei der extremen Kälte wird der Diesel im Filtergehäuse zu magarineähnlicher Schmiere. Moderne und teurere Diesel haben einen beheizten Filter, der den Dieselkraftstoff sofort fließen lässt, der Motor springt an. Preiswerte Diesel, oft auch aus südlichen Ländern importiert, haben dagegen oft keine Filterheizung. Das kann sogar bei Fahrzeugen sein, die bei deutschen Versionen mit der Heizung ausgestattet sind.
3. Kein Winterdiesel Das Dieselfahrzeug springt an und läuft rund. Doch nach kurzer Strecke stuckert der Motor und geht aus. Der Filter ist wieder zugesetzt. Der Grund: Der Kraftstoff hat keine Winterqualität und "flockt". Er bildet kleine Partikel, die sich im Tank absenken. Beim Fahren geraten diese Teilchen in den Filter und setzen ihn zu.
Dabei sollte das Problem mit dem Diesel im Winter keines sein. Denn der Gesetzgeber schreibt vor, dass in der Übergangszeit (1. Oktober bis 15. November und 1. März bis 14. April) der Diesel bis minus 10 Grad Celsius filtrierfähig bleiben muss. Und für die Winterzeit (16. November bis zum Ende Februar) ist das bis minus 20 Grad Celsius vorgeschrieben.
Vorsichtshalber wird an den meisten Tankstellen im Winter deshalb Dieselkraftstoff angeboten, der bis minus 22 Grad Celsius die Funktion des Fahrzeugs erlaubt.
Doch da gibt es Ausnahmen, die mit zu den Problemen der letzten
Tage beigetragen haben:
Es gibt Tankstellen, hier vor allem kleinere freie Anbieter, die
ihren Kraftstoff preiswert am Spot-Markt erstehen, um beim Preis
konkurrenzfähig zu bleiben. Doch dieser billige Diesel ist oft
nur bis 15 Grad minus funktionsfähig. Bei Marken-Tankstellen
erhält man Winterdiesel, der tatsächlich bis 22 Grad
filtrierfähig bleibt. Bei ARAL gibt es zu dem unter der Marke
Ultimate einen speziellen Diesel, der bis zu minus 28 Grad den
Filter nicht verstopfen soll.
Ein Problem, das in diesem Zusammenhang kaum diskutiert wird, heißt B5. Denn seit 2007 gibt es per Gesetz eine Beimischungspflicht von 4,4 Prozent Bio-Diesel zum normalen Diesel. Bio-Diesel flockt schneller als normaler Diesel und trägt so bei extremer Kälte mit dazu bei, dass Fahrzeuge nicht funktionieren. Der Gesetzgeber mit seiner Bio-Vorschrift sorgt so mit für teure Ausfälle. Etwa bei Transportern von Handwerkern. Dem ARAL Ultimate wird übrigens kein Biodiesel beigemischt.
4. Wenigfahrer Wer im Herbst seinen Diesel noch randvoll getankt hat und relativ wenig fährt, hat bei Reichweiten von rund 1000 km, die ein Dieselfahrzeug bis zur nächsten Betankung heute locker schafft, eventuell noch Übergangs- oder Sommerdiesel im Tank. Selbst das Beitanken von Winterdiesel behebt das Problem zur teilweise.
5. Falsch: Fließverbesserung durch Benzin Für Dieselmotoren mit Common-Rail- und Pumpe-Düse-Triebwerken - auf dem Markt seit etwa 2000 - auf keinen Fall Benzin zur Verbesserung der Filterfähigkeit beimengen. Denn im Gegensatz zu früheren Dieselpumpen, die vom Motoröl geschmiert wurden, dient bei modernen Dieseln der Kraftstoff als Schmiermittel. Wenn der nun mit Benzin verdünnt wird, verringert sich die Schmierung und in absehbarer Zeit geht die Pumpe kaputt. Deshalb: Unbedingt in die Betriebsanleitung schauen.
Meine Tipps für Dieselfahrer: Fahrzeuge ohne Filterheizung kann man nachrüsten lassen. Ein Hersteller findet sich unter www.diesel-therm.de Außerdem: Durch das betanken mit hochwertigem Winterdiesel kann man die Start- und Fahrprobleme deutlich reduzieren. Deshalb vor dem Tanken nachfragen, bis zu welcher Temperatur das angebotene Diesel funktionsfähig bleibt.
Viele fahren jetzt in Winterurlaub. Hier sollte man besonders auf hochwertiges Winterdiesel achten. Das Fahrzeug möglichst in einer Garage parken. Und während des Urlaubs durchaus mal bewegen, damit es nicht total auskühlt. Und nicht erst am Rückfahrtag das Auto starten.




